Halli hallo. 

Der letzte Blogeintrag ist schon eine Weile her. Manchmal denk ich mir, wenn ich in dem Tempo weitermache, bin ich in Rente bis die Serie fertig ist. Tatsächlich ist aber einiges passiert, ein bisschen am konkreten Text, aber vor Allem wie ich das Projekt inzwischen sehe.

Letztes Jahr hab ich noch die Isabella Kapitel geschrieben, bis zu dem Punkt an dem sie erstmals auf Theo trifft (oje, ist das jetzt ein Spoiler?). 

Im Januar hab ich dann das Manuskriptgutachten bekommen, das ich letztes Jahr noch angefragt hab. Ja ich hab meinen Text verschickt, hui! Mit dem Gutachten selber musste ich zugegebenermaßen erst mal etwas klarkommen. Es war in vielen Stellen etwas weniger detailliert, als ich mir gewünscht hätte. (Aber sehr konstruktiv und aufbauend) Dafür mehrere auf den ersten Blick eher allgemein gehaltenere Hinweise. Genau diese haben mich aber in die Gesamtbetrachtung gehoben zu den eigentlichen Fragen: Welche Themen möchte ich durch das Buch eigentlich transportieren? Welche Fragen stellt sich der Leser, welche Erwartungen wecke ich und erfülle ich sie auch? Nicht nur, ob die Handlung logisch ist, sondern mit welche Gedanken führe ich insgesamt durchs Buch. Und das war tatsächlich viel mehr wert als die eher oberflächlichen Detailfragen, die ich mir davor gesellt habe.

Vielleicht einen Ticken konkreter: Bisher war mein erstes Isabella-Kapitel Kapitel 15. D.h. Prolog und 14 Kapitel Theo und dann plötzlich Isabella. Noch dazu ein sehr introvertiertes, eins das ich atmosphärisch sehr schön finde und das erste war, dass ich zu Isabella geschrieben hab, vor Allem um sie selbst kennenzulernen. Tatsächlich ist es für den Leser als Einführung einer zweiten Haupt-Perspektive aber viel zu wenig „Show – don’t tell“, eigentlich quasi nur „tell“. Die Hauptänderung aber, die Lektorin hatte zu Recht angemerkt, dass Isabella von Anfang an eingeführt werden muss. Irgendwie hab ich gespürt, dass das richtig ist. Aber ich habe ja keine relevante Handlung, die vorher abspielt, bei der Timeline gab es Unstimmigkeiten, durch zusätzliche Isabella-Kapitel zieht sich der Abstand in die Länge, bis bei Theo endlich was passiert etc. Kurz: Das war nicht ganz so einfach umzusetzen.

Aber genau deswegen hab ich das Lektorat an dieser Stelle machen wollen, nicht erst am Ende.

Inzwischen hab ich einen Plan bin auch mitten drin ihn umzusetzen. Jetzt sind Kapitel 3, 7 und 12 Isabella Kapitel. Was ist mit dem bisherigen Kapitel 15 mach, bin ich noch nicht sicher. Ein Fall für „Kill your Darlings?“. Schöner Nebeneffekt, Herr Klinke hat jetzt ne Hintergrundgeschichte und auch ne viel bessere Motivation als zuvor „nur“ der grantige Nachbar zu sein. Es verzahnt sich richtig schön in meinen bisher angedachten Plot. Alle Details sind mir auch da noch nicht klar, aber die Fäden liegen auf dem Tisch, ich muss sie nur noch zusammenführen, wenn ich soweit bin. Und Isabella bekommt durch die neuen ersten Kapitel nochmal richtig schön Tiefe und Charakter. Sie hat sich ein Stück weit weg bewegt davon, wie ich sie mir ganz am Anfang vorgestellt hab, aber so wie jetzt gefällt sie mir noch wesentlich besser.

Ich hab auch angefangen noch viele weitere Details auf Grund des Gutachtens anzupassen, bzgl. Theos Herkunft, Sprache insgesamt usw.

Weiterer Nebeneffekt dadurch: die ersten 8 Kapitel sind nun so überarbeitet, dass ich sie für lektoratsreif halte. Viel gestrafft, umformuliert, Cliffhanger eingebaut und vor Allem emotionale Bögen innerhalb der Kapitel geschärft. Und tatsächlich seh ich langsam was, das zuvor eher Hoffnung war:  Das liest sich inzwischen richtig gut. Nicht nur sprachlich, sondern die Erzählung macht Sinn, die Kapitel sind rund, die Figuren haben Charakter. Es ist immer noch nicht High End, aber es hat eine Qualität, die ich mir beim besten Willen nicht zugetraut hätte und von der ich inzwischen in meiner laienhaften Selbsteinschätzung sagen kann, das könnte Kindern tatsächlich Spaß machen zu lesen. 

Und das freut mich wirklich sehr, aber noch mehr gibt es mir die Motivation weiter zu arbeiten. Auch die anderen Kapitel auf das Niveau zu bringen und dann endlich die Begegnung von Theo und Isabella zu schreiben.

Aber wo ich vor einigen Monaten noch große Reihenkonflikten und Figurenentwicklungen geplant hab, spüre ich jetzt langsam das emotionale Herz in den einzelnen Kapiteln des konkreten Texts. Und das ist für mich gerade mehr wert, als die best-geplante Intrige, die sich in Band 5 oder 6 auflöst.

Um den Bogen zu schließen, ich brauch sicher noch 2 Monate um das ganze Feedback des Gutachtens einzuarbeiten und dann wirklich weiterzuschreiben. Aber das erste Drittel (oder fast Hälfte) des Buchs fühlt sich langsam emotional rund an. Und wenn das sitzt, ist es denk ich egal wie lang es dauert. 

Außer du bist jetzt langsam neugierig und willst den Text jetzt selber lesen 😀